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Der Mattersburger Kreis als wissenschaftlicher Mitveranstalter der Vierten Österreichischen Entwicklungstagung ruft junge WissenschafterInnen bzw. DissertantInnen, DiplomantInnen bzw. Studierende des Zweiten Studienabschnittes dazu auf, wissenschaftliche Beiträge für das Forum der JungforscherInnen einzureichen.
Wachstum - Umwelt - Entwicklung
Call for papers - Forum der JungforscherInnen
Eine Jury von drei WissenschafterInnen wird aus den eingelangten Arbeiten die sieben interessantesten auswählen, die in Form von 10-minütigen Referaten auf der Tagung am Samstag, 15. November 2008, ab 14.00h, vorgestellt werden sollen. Die Entscheidung der Jury erfolgt im double-blind-Verfahren, d.h. die Namen der Einreichenden sind der Jury ebenso wenig bekannt wie die Namen der Jury-Mitglieder den Einreichenden.Die ausgewählten ReferentInnen erhalten die Spesen für Fahrt & Quartier ersetzt und darüber hinaus als eine Prämie im Wert von 100.- Euro. Es ist daran gedacht, einige der Beiträge nach Möglichkeit zu veröffentlichen.
Die Papers sollen sich mit einer Fragestellung beschäftigen, die auf Fragen von Wachstum, Umwelt und Entwicklung bezogen ist und vor dem Hintergrund von Entwicklungspolitik, Entwicklungszusammenarbeit und Internationale Entwicklung aufgearbeitet wird. Zum Inhalt der Entwicklungstagung finden sich hinten weitere Informationen.
- Sprachen: Deutsch oder Englisch
Als JungforscherIn wird eine Person betrachtet, die in der akademischen Ausbildung steht, d.h. an einer Diplomarbeit oder einer Dissertation arbeitet oder eine solche vor nicht mehr als einem Jahr fertig gestellt hat – unabhängig von Alter oder sonstiger universitärer Verankerung.
Informationen zum Hintergrund der Entwicklungstagung
Die Welt ist im Umbruch. Auf drei Entwicklungstagungen versuchten wir diese Veränderungen besser zu verstehen. Die Erste Gesamtösterreichische Entwicklungstagung 2001 in Salzburg widmete sich der Zivilgesellschaft und damit einer Akteurin bzw. einem Aktionsfeld der Einen-Welt-Bewegung. Die Zweite Gesamtösterreichische Entwicklungstagung 2003 in Graz versuchte, dem Phänomen der Globalisierung auf die Spur zu kommen. Ganz wesentlich ging es bei beiden Tagungen um das Verstehen globaler Veränderungen. Gleichzeitig war allseits der Wunsch gemeinsam nach Alternativen zu suchen spürbar. Bei der Dritten Entwicklungstagung in Linz im November 2005 wurde nach der Rolle von Eigentum in der globalisierten Welt von heute gefragt. „Eigentum anders. Unsere Strategie und unser Handeln“ lautete der Titel der Tagung, bei der nach konkreten Modellen gefragt wurde, Eigentum anders zu verstehen und zu organisieren als im gewohnten Gegensatz von „privat“ und „öffentlich“. Solidarökonomie wurde hier ebenso diskutiert wie die Begrifflichkeiten von „Eigentum“, „Öffentlichkeit“ oder „ownership“ befragt wurden. Sowohl für die Entwicklungszusammenarbeit als auch für die globalisierungskritische Bewegung sind Visionen wesentliche Ausgangspunkte der Arbeit. Utopien werden als wichtig angesehen, um der Politik allgemein, und der Entwicklungspolitik im Speziellen eine andere Richtung zu geben. Die Entwicklungstagung versteht sich als Raum, um solche Utopien und Visionen auszutauschen und zu diskutieren.
Entpolitisierung drückt sich unter anderem in einer Fragmentierung von Politikfeldern aus. Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik und Entwicklungspolitik werden als getrennte Politikfelder inszeniert, obwohl deren innere Verwobenheit offensichtlich ist. In den nun intensivierten Debatten über Klimaschutz sind die Zusammenhänge neuerlich sehr deutlich geworden. Die Widersprüche sind damit aber auch deutlicher zutage getreten. „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s der Umwelt schlecht“ scheint weiterhin die realpolitische Maxime zu bleiben. Der bisherige internationale Diskurs zu Fragen von Umwelt und Entwicklung ist von dieser Fragmentierung gekennzeichnet: Auf den Brundtland-Bericht 1987 folgte die UN-Konferenz in Rio 1992, weiters die Rio+5 sowie Rio+10-Konferenzen sowie das Treffen in Johannesburg. Auffällig ist, dass ursprünglich Wachstum als entwicklungspolitisches Ziel in Frage gestellt wurde. Mit der Zeit wurden unterschiedliche Formen von Wachstum differenziert: „Qualitatives Wachstum“ wurde von „quantitativem Wachstum“ abgegrenzt. Als radikale Kritik an Wachstumskonzepten wurden Theorien der Subsistenz ausgearbeitet, jedoch verschwand mit den Jahren der kritische Impetus weitgehend aus der Debatte, sodass heute Wachstum auch im alternativen Diskurs kaum mehr in Frage gestellt wird. Die Renaissance eines recht unreflektierten Wachstumsbegriffes zieht sich quer über das gesamte ideologische Spektrum. Linke wie rechte Regierungen teilen diesen Zugang. Andererseits bieten auch die subsistenztheoretischen Zugänge in den Augen Vieler keinen überzeugenden Ausweg aus dem Dilemma und erfahren starke Kritik, da ihre Realisierung kaum mit einer Verbesserung des Lebensstandards verbunden wäre. Einige der alternativen Ansätze werden als Mythen betrachtet. „Nachhaltige Entwicklung“ legt heute den Schwerpunkt auf ökonomische Entwicklung; Lösungen werden eher über den Handel mit Emissionszertifikaten gesucht als über eine Veränderung der Produktion. Notwendig erscheint hier eine Re-Problematisierung des Wachstumsbegriffs. Hierbei müssen auch Entwicklungen im Bereich geistiger Eigentumsrechte diskutiert werden. Die Vermarktlichung und Kommodifizierung der globalen Almende, etwa auch im Bereich der Wasserversorgung, wirft viele Fragen auf. Aus dem Spannungsfeld „Wachstum versus Nachhaltigkeit“ können folgende Fragen generiert werden: Unter welchen Voraussetzungen ist Wachstum nicht bzw. durchaus sinnvoll? Welche Akteure haben welchen Zugang zu Ressourcen? Welche ökologischen Verteilungskonflikte werden ausgetragen? Am Beispiel des Klimaschutzes: Wer hat welche Umweltbelastungen verursacht und wer trägt die Kosten anfallender Reparaturen? Wer hat welche Verschmutzungsrechte? Wer trägt die ökologischen Folgen der Produktion von Biotreibstoff? Im Kern geht es um eine Zusammenführung von Politikfeldern. Ein integrierter Entwicklungsbegriff müsste das Ziel der Armutsminderung mit Umweltschutz und einer verteilungsorientierten Wirtschaftspolitik verbinden. Reichtumskritik dürfte dort ebenso wenig fehlen wie eine Reflexion der Wachstumskritik und des gesellschaftlichen Naturverhältnisses. Auch die Möglichkeiten multilateraler Ansätze (global governance) zur Prävention sowie Lösung von Konflikten aufgrund von Klimawandel und Umweltzerstörung sollen diskutiert werden.
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