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Eröffnung der Nachtagung 2009 "Klima in der Krise - Last Exit Copenhagen"

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Am 11. November 2009 fand die Nachtagung zur Vierten Entwicklungstagung in Wien statt. Helga Kromp-Kolb von der Boku Wien plädierte in ihrem eröffnenden Vortrag "Neues vom Klima" dafür, dass Europa endlich auch seine historische Verantwortung für den bisherigen Klimawandel wahrzunehmen habe.

16.11.2009 | Thomas Zobernig

Über 150 TeilnehmerInnen waren bereits am Vormittag ins "Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung" im 12. Bezirk gekommen, um vier Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen Handlungsperspektiven zu diskutieren.

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Foto: Markus Piringer
Umweltminister Niki Berlakovich betonte in seinem Eröffnungsstatement die globale Verantwortung für den Klimawandel und wies auf die steigende Anzahl der Klimaflüchtlinge hin. Für das Zustandekommen eines rechtlich verbindlichen Klimaabkommens in Kopenhagen stehen aus seiner Sicht die Karten jedoch schlecht.

Gerald Faschingeder (Paulo Freire Zentrum) betonte in seinen einleitenden Worten die Rolle der Entwicklungstagungen als "Ort des grundsätzlichen Nachdenkens", bei der Widersprüche wie etwa zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltpolitik analysiert und diskutiert werden sollen. Nun wolle man dort gewonnene Erkenntnisse in die politische Sphäre einbringen. Josefa Molitor-Ruckenbauer (KOO / Allianz Klimagerechtigkeit) bedauerte die gegenseitigen Schuldzuweisungen auf internationaler Ebene, die zu einer latenten Patt-Situation führten. Dabei brauche es gerade beim Thema Klima mutige Konzepte, die eben nicht dazu beitragen, dass sich Ungleichheiten noch weiter verstärken.

Selbst Horrorszenarien lassen PolitikerInnen kalt

Gleich zu Beginn ihres Vortrags sprach Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Instituts für Meteorologie auf der Universität für Bodenkultur, ein grundsätzliches Dilemma an: Sie wisse schon gar nicht mehr, wie oft sie in den letzten zwanzig Jahren eindrücklich betont habe, dass es kurz vor zwölf sei und es mit jedem verstrichenen Jahr schwieriger werden würde, einen irgendwann irreversiblen Klimawandel zu verhindern. Wie müsste ein Horrorszenarium also aussehen, damit PolitikerInnen wie auch Privatpersonen eine radikale Energiewende in Angriff nehmen?

Studien wie "Die Grenzen des Wachstums" aus dem Jahr 1972 wurden oftmals als überspitzte Horrorszenarien belächelt, erläuterte die Wissenschafterin des Jahres 2005. Doch die Realität zeige, dass manches noch schlimmer kam, als zuvor befürchtet. So wurde etwa die Halbierung der Fläche des arktischen Meereises für 2050 prognostiziert, jedoch schon 2008 erreicht (Ausdehnung im so genannten September Minimum, also nach der Sommerschmelze).

Europas historische Verantwortung für den Klimawandel

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Foto: Markus Piringer
Der Klimawandel sei ein von Menschen gemachtes Phänomen, das eindeutig mit dem Modernisierungsschub nach 1945 einherging. Insofern sei es von zentraler Bedeutung, dass Europa als Profiteur dieser wirtschaftlichen Veränderungen nun auch die Verantwortung für den bisherigen Klimawandel übernehme.

Bei den Vorverhandlungen zu Kopenhagen sei davon aber wenig spürbar gewesen. Viel mehr würden EU-VertreterInnen die Verantwortung für das Nichtzustandekommen eines tatsächlich neuen Weges in der Klimapolitik an Länder wie China, Indien oder Brasilien abschieben.

Dies sei für sie unverständlich, da es zum jetzigen Zeitpunkt von allen AkteurInnen außergewöhnliches Engagement erfordere, um dem klimatischen Kollaps zu entkommen. In diesem Zusammenhang wies Kromp-Kolb auf die Ziele des Weltklimarats IPCC hin. Neben der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau wird von diesem UN-Ausschuss eine maximale CO2-Konzentration von 450 ppm (Teilchen pro Million) in der Atmosphäre als Obergrenze der Verträglichkeit des Planeten definiert. Selbst wenn die Entwicklungsländer bis 2050 ihre Emissionen um 50% reduzieren, müssten die Industrieländer eine Reduktion von 90% gegenüber dem Basisjahr 1990 erreichen. Auch würden wir bald die Grenzen der Verträglichkeit überschreiten, damit sich der Planet selbst regenerieren kann. In Anbetracht dieser Fakten scheinen die Diskussionen rund um Österreichs finanziellen Beitrag zu den Maßnahmen nach dem Gipfel in Kopenhagen – an diesem Tag wurde von 300 bis 800 Mio. Euro gesprochen – geradezu lächerlich.

Energiewende – aber wie?


Doch selbst wenn Europa angemessene Finanzierungen in Aussicht stellen würde, bliebe die Frage offen, in welche Bereiche dieses Geld fließen würde. Helga Kromp-Kolb warnte, dass nach dem "peak oil" große Teile der Energiegewinnung durch Kohle ersetzt werden würden, was wohl oder übel zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen führen würde. Ebenfalls stehe sie den Ideen des "geo-engineering" – also der Versuch, die Klimaerwärmung auf technischem Weg zu bremsen – sehr kritisch gegenüber. So würde ein riesiger Spiegel im Weltall wohl meist für Industrieländer eingesetzt werden und so zu weiterer Ungleichheit beitragen. Oder etwa die Idee der Sulfataerosole in der Stratosphäre (diese schwefelhaltigen Staubteilchen reflektieren Sonnenlicht, noch ehe es an die Erdoberfläche gelangt), die unvermeidlich zu saurem Regen führen. Insofern gebe es – in Anspielung auf ihren Vortragstitel "Neues vom Klima" – fast ausschließlich schlechte Neuigkeiten.

Rückenwind für unsere PolitikerInnen

In der Diskussion wurde auf den Film "The Age of Stupid" verwiesen, der aus dem Jahr 2055 rückblickend unserer Generation kein gutes Zeugnis ausstellt. Kromp-Kolb meinte ebenfalls: "Lassen wir die Zukunft nicht über uns hereinbrechen, sondern gestalten wir sie." Dafür bräuchten unsere PolitkerInnen jedoch auch den Rückenwind einer kritischen Zivilgesellschaft. Ein anderer Tagungsteilnehmer meinte dazu passend: "Vielleicht sollten wir weniger darüber diskutieren, welche CO2-Steuer nun besser greifen könnte, sondern darüber, wie wir über die derzeitigen Lobbyisten hinwegkommen."


Zur Powerpointpräsentation von Helga Kromp-Kolb:
Kromp-Kolb_Teil_1.pdf  (805.50 KB)
Kromp-Kolb_ Teil_2.pdf  (804.43 KB) 

Lesen Sie auch die weiteren Berichte der Veranstaltung:

Anpassung an den Klimawandel - Bedingungen, Möglichkeiten, Stolpersteine
Kurz vor Kopenhagen - Ziele und aktueller Stand der Verhandlungen
"Klima in der Krise": Politische Strategien in der Umsetzung

Der Autor ist Praktikant im Paulo Freire Zentrum und Student der Internationalen Entwicklung.

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