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Im innerstädtischen Gebiet drängen sich Verkehrs-, Bau- und Erholungsflächen auf relativ engem Raum. Der Schutz vorhandener und die Schaffung neuer Grünräume ist dabei keine leichte Aufgabe.
Wenig Natur in der Alservorstadt Die Alservorstadt ist Teil des 1862 aus sieben Vorstädten gebildeten 9. Wiener Gemeindebezirks „Alsergrund“ und des kurze Zeit zuvor eingemeindeten 8. Bezirks „Josefstadt“. Beide Bezirke verfügen über verhältnismäßig wenige Grünflächen. Die Grünflächen des Alsergrund betragen 6% seiner Gesamtfläche, er liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt von 49%. Die Josefstadt bildet mit 2% ihrer Gesamtfläche sogar das Schlusslicht aller Wiener Gemeindebezirke. Beide Bezirke sind heute relativ dicht verbaut, und sind nur dürftig mit Parkanlagen ausgestattet. Die Josefstadt ist mit nur 2,09 ha Parkfläche auch der Bezirk mit den kleinsten Parkflächen. Wiesen und Kleingärten sind nicht vorhanden, auch Hausgärten gibt es kaum. Dass öffentlich zugängliche Grünflächen und Parkanlagen aber die Wohnqualität der ansässigen BürgerInnen steigern könnten, ist bekannt. Die Öffnung und Umgestaltung von Grün- und Freiräumen wird daher auch in der Alservorstadt seit einigen Jahren vermehrt angestrebt. Dies zu planen ist eine relativ komplexe Aufgabe. Die Heterogenität der AnrainerInnen erschwert dies noch, will man der Vielzahl an unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen einigermaßen gerecht werden. Mit den Grünflächen des alten AKHs, dem Arne Carlsson Park und dem Votivpark sind zwar bereits einige größere Erholungsräume in der Alservorstadt gegeben, an Aufenthaltsmöglichkeiten die z.B. für ältere Kinder und Jugendliche attraktiv sind, scheint es aber nach wie vor zu mangeln. Das Einbeziehen von AnrainerInnen in die Planungsphasen kann hilfreich dabei sein, die verschiedenen Interessen zu erfassen, es ist aufgrund der Diversität aber auch schwer zu bewerkstelligen und heute keine Selbstverständlichkeit. Von Grau zu Grün Die Alservorstadt verfügt – für ein Wohngebiet der Innenstadt – noch über relativ großzügige Freiräume. Einige davon sind noch ungestaltet, wie z.B. die Flächen beim Narrenturm. Hier bieten sich noch Möglichkeiten für die Schaffung attraktiver Grünanlagen. Gerade in den letzten Jahren wird nun auch versucht, vom Verkehr abgeschottete, ruhige und grüne Durchgänge für FußgängerInnen zu schaffen. Dem Durchgang, der von der Mariannengasse zur Alserstraße führt, sollen weitere folgen. Auch bei der aktuellen Neugestaltung der Sensengasse sollte dies berücksichtigt werden. AnrainerInnen hatten sich unter anderem für einen barrierefreien Durchgang vom Arne Carlsson Park bis zum Universitätscampus eingesetzt. Dieser wurde auch geschaffen und vorhandene Grünräume wurden in die Planung einbezogen. Das Beispiel Sensengasse zeigt aber auch, dass die teilweise Aufnahme von BürgerInnen-Interessen in der Planungsphase noch nicht bedeutet, dass diese auch in der tatsächlichen Umsetzung noch ausreichend berücksichtigt werden. Wohngarten Sensengasse Ab 1948 befand sich im Bereich der heutigen Sensengasse mit der Sportanlage ein großer Grünbereich. Die Anlage umfasste 6.800 Quadratmeter und verfügte über eine 300 Meter lange und fünf Meter breite Laufbahn, sowie ein Fußballfeld. 2005 begann die Bundesimmobiliengesellschaft mit dem Bau der neuen Gebäude in der Sensengasse 1-3. Der so genannte „Wohngarten an der Sensengasse“ bezeichnet die drei Baukörper entlang der Sensengasse 3. Hier befinden sich heute ein Universitätsgebäude (Sprach- und Bildungswissenschaft), die Bibliothek und die Büros (im Erd- und Untergeschoß des mittleren Baukörpers) des C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, sowie Wohnflächen (in den Obergeschoßen). Die Bebauung des ehemaligen Grünareals war allerdings, nicht zuletzt wegen des großen Ausmaßes, heftig umstritten. BürgerInnen hatten eine geringe Verbauungsdichte und die Erhaltung der Baumallee gefordert. Die Bauimmobiliengesellschaft (BIG) zeigte sich diskussionsbereit und BürgerInnen konnten sich an Gesprächen zur Flächenumwidmung beteiligen. Ihre Anliegen fanden aber nur teilweise Berücksichtigung. Im Jänner 2003 wurde schließlich ein Flächenwidmungsplan beschlossen. Für den Bereich der Sensengasse 3 wurde ein ArchitektInnen-Wettbewerb ausgerufen, der, in Anerkennung der BürgerInnen-Forderungen, unter anderem auch den Erhalt der Baumallee als Staub- und Lärmschutz und den sorgsamen Umgang mit dem vorhandenen Grünraum zur Auflage hatte. Gestaltet wurde der Baukomplex schließlich von Josef Weichenberger und „room8 architects“. Ihre Planung umfasste Zwischenräume, die einen Ausblick auf den Grünraum erlaubten (“grüner Riss“). Diese Räume sollten dazu beitragen, dass der nahe gelegene Park, der bepflanzte Grünhang des alten AKH, der Sportplatz und die, der Fassade vorgehängten „Gärten“ (zu begrünende Eisenstangen, die an Bambusstöcke erinnern), zu einem „organischen Ganzen“ verwachsen könnten. Ein Garten ohne Bäume? Bei der tatsächlichen Umsetzung der Pläne wurde der vorerst zugesicherte sorgsame Umgang mit vorhandenen Grünelementen allem Anschein nach aber nicht mehr allzu ernst genommen. Im Zuge der Bauarbeiten wurden vermutlich vier der 13 Bäume der zu erhaltenden Baumallee beschädigt. Grund dürfte eine Einengung des Wurzelraums gewesen sein, bei der auch Hauptwurzeln abgerissen worden sein dürften (die Schädigung ist allerdings nur bei einem Baum nachweislich auf die Bautätigkeit zurückzuführen). Laut Stefan Freytag, dem Bezirksvorsteher-Stellvertreter der Grünen, wurde bereits während der Bautätigkeiten immer wieder die unsachgemäße Bauführung im Nahbereich der Bäume kritisiert und der Schutz des Wurzelraumes wurde gefordert. Die Umweltanwaltschaft erwirkte auch eine Anzeige gegen die Bauführung, Konsequenzen blieben aber aus.
Am 16. November 2009 wurde schließlich ein starker Rückschnitt der Bäume vorgenommen. Ein Sachverständiger empfahl zudem die Rodung von drei der vier Bäume und den Kronenabwurf des vierten, da die Bäume nun die Verkehrssicherheit gefährden würden. Ob es tatsächlich zur kompletten Rodung kommt, scheint noch nicht festzustehen. Die radikal beschnittenen Bäume vor dem C3 geben mit ihren letzten Astresten aber auch jetzt schon ein eher trübes Bild ab. Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung. Kommentare zum Artikel an redaktion@pfz.at. Quellen: http://www.big-ev.at/projektentwicklung/aktuelle-projekte/wien/wohngarten-sensengasse/ http://www.room8.at/downloads/wohngarten_sensengasse.pdf http://www.nextroom.at/building.php?id=32774&sid=&inc=pdf http://alsergrund.gruene.at/baupolitik/artikel/lesen/37321/ http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091117_OTS0226/gruene-alsergrund-baumallee-in-der-sensengasse-bedroht
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