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Öffentliche internationale Finanzinstitutionen scheinen einen widersprüchlichen Zugang zu Klimapolitik zu verfolgen. Einerseits werden Klimafonds eingerichtet, andererseits wird kontinuierlich in Kohlekraftwerke investiert. Die Frage besteht nun, wie viel Kohle die Zukunft noch verträgt…
Die Finanzkrise führt einerseits dazu, dass durch Produktionsrückgänge der CO2 Ausstoß in einigen Ländern z.T. kurzfristig zurückging, auf der anderen Seite ist jedoch die politische Bedeutung des Klimaschutzes stark gesunken und die Förderung von mehr Wachstum steht im Zentrum der politischen Bemühungen. Wieder einmal scheinen Entwicklungs- und Umweltthemen in einen Widerspruch zu geraten. Eine zentrale Rolle nimmt in diesem Zusammenhang die Förderung von Kohlekraftwerken ein. Über die Frage "Wieviel Kohle verträgt die Zukunft? Soziale und ökologische Konsequenzen der Förderung von Energie aus Kohle" referierte Bruce Rich, Internationaler Umweltanwalt aus Washington DC, am 31. Mai 2010 bei der gleichnamigen Veranstaltung von ÖFSE, Dreikönigsaktion, Greenpeace und Klima fair verbessern. Mit ihm diskutierten Milo N. Tanchuling, Generalsekretär der Freedom from Debt Coalition (FDC) von den Philippinen und Bernhard Obermayr, Klimasprecher von Greenpeace Österreich. Die Moderation hatte Karin Küblböck (ÖFSE) inne. schizophrener Zugang zu globaler Erwärmung Bruce Rich erläuterte die von ihm durchgeführte Studie "Foreclosing the Future: Coal, Climate and International Public Finance" des Environment Defense Funds. Diese Studie mache laut Rich die widersprüchliche Zugangsweise von Weltbank und anderen öffentlichen internationalen Finanzinstitutionen zum Thema "Klimawandel" deutlich. Zum einen sollen die reichsten Länder der Welt Geld für neu eingerichtete Weltbank-Fonds gegen globale Erwärmung aufbringen, zum anderen investierten Entwicklungsbanken und Exportkreditagenturen von 1994 (dem Jahr, in dem "the United Nations Framework Convention on Climate Change" in Kraft trat) bis 2009 in 88 neue Kohlekraftwerke in so genannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Die dafür aufgebrachte Summe von 37 Milliarden US Dollar an direkter öffentlicher Finanzierung und 100 Milliarden an indirekter Kofinanzierung lässt die 6,4 Milliarden der "UN Global Environment Facility for climate change" für den gleichen Zeitraum lächerlich erscheinen.
So wie man in die Atmosphäre ruft, so hallt es zurück Die Weltbank legitimiert diese weitgehende Förderung von Kohlekraftwerken mit der Argumentation, dass der Bau von "supercritical" Kohlekraftwerken aufgrund deren hoher Effizienz – im ökonomischen Sinne – dem Klimawandel entgegenträte. Doch solange das in diesen Kraftwerken generierte CO2 nicht sicher verstaut werden kann, tragen diese zu verstärkten CO2-Emissionen in die Atmosphäre und dadurch zu globaler Erwärmung bei.
Wende zu erneuerbaren Energien – eine Machtangelegenheit Milo N. Tanchuling gab einen kleinen Einblick in die Situation auf den Philippinen. Dort sei der Klimawandel schon deutlich zu spüren, dieser drücke sich z.B. in massiven Regenfällen und Überflutungen aus. Die Weltbank habe zum Wiederaufbau der dadurch entstandenen Schäden einen 250 Millionen Dollar Kredit vergeben, der laut Tanchuling für die Philippinen eine weitere Bürde statt einen Vorteil darstelle. Die Weltbank profitiere seiner Meinung nach im Namen der Klimakrise.
Die Veranstaltung machte demnach deutlich, wie zentral die Frage der Macht in Bezug auf die Wende zu erneuerbaren Energien ist und wie vielfältig die Strategien sein müssen, die Macht auf der Seite nachhaltiger Klimapolitik zu stärken. Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und Politikwissenschaften und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.
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