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Solidarökonomie: Kongress in Österreich?!

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Solidarische Initiativen, wie Ökodörfer, Regionalwährungen, selbstverwaltete Räume oder Volksküchen, gibt es auch hierzulande. Am 19. und 20. Oktober 2007 begannen die Vorbereitungen für einen Kongress zum Thema Solidarökonomie in Österreich im kommenden Jahr.

25.10.2007 | Simone Grosser

Wir leben in einer kapitalistischen Welt. Mit Wettbewerbsdenken, Konkurrenzkämpfen, individualistischer Ellbogentaktik. Dies bringt Folgen wie soziale Ungleichheit, Armut und Ausbeutung mit sich. Das alleine ist schon bedenklich. Noch bedenklicher ist aber das sich breit machende Gefühl der lähmenden Ohnmacht, der Unfähigkeit etwas dagegen tun zu können.

Die Solidarökonomie erobert die Welt…

Die Vorstellung, dass ein gemeinsames, solidarisches Wirtschaften mit demokratischen und partizipativen Entscheidungsprozessen möglich ist, wird im kapitalistisch geprägten Denken schnell für unmöglich gehalten. Und doch existieren weltweit Alternativen in unterschiedlichen Formen und unter verschiedenartigen Begriffen, die sich den Kampf gegen den "Turbokapitalismus", wie ihn Franz Nuscheler bezeichnet, auf die Fahnen schreiben.

Eine davon nennt sich Solidarökonomie. Mit ideologischen Wurzeln in der sozialistischen Kapitalismuskritik, bekommt sie seit den 1980er Jahren wieder vermehrt Gehör. Das Ministerium für Economía Solidaria in Venezuela, Veranstaltungen zur Solidarity Economy auf den Philippinen, das Nationalsekretariat für Economia Solidária in Brasilien oder der Kongress zur Solidarökonomie in Deutschland sind nur einige Signale, die das Auftauchen dieser neuen/alten Wirtschaftsform bezeugen.

…und auch Österreich.

Am 19. Oktober 2007 wurden im 7. Wiener Bezirk die ersten Weichen gelegt, um auch in Österreich "solidarische Zeichen" zu setzen und für das kommende Jahr einen Kongress zum Thema zu veranstalten. In den Räumlichkeiten des Lokals "Depot" fanden sich an die 50 interessierte TeilnehmerInnen ein, um den Worten der eingeladenen ReferentInnen zu lauschen und eigene Meinungen kundzutun. Impulsreferate kamen von Dagmar Embshoff aus Deutschland (Mitorganisatorin des Kongresses "Wie Wollen Wir Wirtschaften?" 2006 in Berlin), Arno Uhl (Kostnixladen, TÜWI), Utta Isop (AG Sol-Ök 2008) und Karl Reitter (Netzwerk Grundeinkommen, Zeitschrift grundrisse).

Was am Freitag geschah

Dagmar Embshoff erzählte von dem Kongress in Deutschland, der über 1400 Menschen zusammenbrachte und sich folgende Ziele setzte: Bekanntmachung des Begriffes solidarische Ökonomie; Sichtbarkeit von solidarischen Initiativen; Zusammenführung und Motivation von AkteurInnen. Sie definierte Solidarität als gegenseitige Unterstützung auf lokaler und globaler Ebene inklusive des zentralen Elements der ökologischen Nachhaltigkeit. Ökonomie sei im weitesten Sinne ein System zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, ohne gewinnstrebenden Aspekt.

Arno Uhl berichtete von verschiedenen Projekten in Wien. Eines davon ist der von WEG (wertkritische emanzipatorische Gegenbewegung) gegründete Kostnixladen im fünften Bezirk. Dort kann jedeR alle möglichen Gegenstände, von Kleidung bis Küchengerät, abliefern und jedeR darf unabhängig davon, ob er/sie etwas bringt, Dinge mitnehmen – allerdings nicht mehr als drei Stück pro Tag. Der auf der Überschussproduktion der kapitalistischen Gesellschaft aufbauende Laden, werde nur durch das persönliche, unentgeltliche Engagement der MitarbeiterInnen am Leben erhalten.
Als weiteres Beispiel brachte er das seit zwei Jahren selbstverwaltete "Beisl" TÜWI in der Nähe der Universität für Bodenkultur. Schwierigkeiten dabei sei vor allem der hohe Druck, den man als Eigentümer und Arbeiter in einer Person ausgesetzt sei.

Utta Isop berichtete von der fünfköpfigen Impulsgruppe, die sich - seit dem Kongress in Berlin - eine ähnliche Veranstaltung in Österreich zum Ziel setzt und forderte die Anwesenden auf, sich anzuschließen.

Karl Reitter appellierte, sichtlich persönlich bewegt, für ein bedingungsloses Grundeinkommen und sah dieses als Möglichkeit für die Solidarökonomie. Er warnte allerdings vor Blauäugigkeit und wies auf folgende Problematik hin: einerseits können AkteurInnen von der solidarischen Produktion oft nicht leben; andererseits birgt der wirtschaftliche Erfolg aber mitunter die Gefahr des Wandels zu einem kapitalistischen Unternehmen in sich.

Der Abend klang mit einer regen Diskussion aus. Unter anderem berichtete Dagmar Embshoff Interessantes von ihrem Ökozentrum in Verden und Marianne Schallhas von der Arbeitsgemeinschaft "Gerecht Wirtschaften" erläuterte Gedanken des chilenischen Sozialwissenschafters Luis Razeto Migliaro.

Was am Samstag geschah

Der nächste Tag (20.Oktober) stand ganz im Zeichen der Vorbereitung des österreichischen Kongresses. Die Impulsgruppe lud zu einem ganztägigen Workshop in die katholische Sozialakademie ein. Ungefähr 20 Personen, mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen, debattierten über mögliche Themen des Kongresses, die verschiedenen Organisationsschritte und die Art der Einbindung von solidarökonomischen Prinzipien in die eigenen Arbeitsprozesse. Bei Kaffe und Kuchen vor Ort und bei einem gemeinsamen Mittagessen im Deewan konnten Erfahrungen und Kontakte ausgetauscht, sowie mögliche Veranstaltungen anvisiert werden.

Nächstes Treffen

Das nächste Treffen findet am 10. November 2007 um 13:00 Uhr in der katholischen Sozialakademie (Schottenring 35/DG) statt und ist offen für alle. Weiters besteht die Möglichkeit der Kontaktaufnahme unter folgender Adresse: sol-oek-2008@web.de.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert Kultur- und Sozialanthropologie sowie Portugiesisch.
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