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42 Familien einer Dorfgemeinschaft im Norden von Pernambuco - ein Bundesstaat im Nordosten Brasiliens - haben sich zur Associação de Produtores Agroecológicos zusammengeschlossen.
In gemeinschaftlicher Arbeit wird Gemüse und Obst angebaut und dann auf Märkten oder über eine Kooperative verkauft. Gemeinsam mit der Incubadora INCUBACOOP werden außerdem Projekte umgesetzt, die der gesamten Dorfgemeinschaft zu Gute kommen und regionale Entwicklung fördern. Vor acht Jahren wurde an der Universidade Federal Rural de Pernambuco (UFRPE) in Recife die Incubadora INCUBACOOP gegründet. Schon bald bildeten sich die Schwerpunkte für die Zusammenarbeit mit Kooperativen und Vereinigungen heraus: "Wir möchten das Potenzial und das Spezialwissen der Uni Rural nutzen. Daher konzentrieren wir uns, neben einigen städtischen Projekten, auf den ländlichen Raum und die Unterstützung der Familien, die dort Landwirtschaft im kleinen Rahmen betreiben", erklärt Ana Dubeux, Koordinatorin der Incubadora. Zuckerrohr wohin das Auge reicht..... Die Associação de Produtores Agroecológicos wird seit ca. 2,5 Jahren von MitarbeiterInnen der Incubadora begleitet. Gemeinsam mit Guilherme, Mitarbeiter der Incubadora und Verantwortlicher für "Agricultura familiar", und Philipp, Geschichte-Student und Praktikant in der Incubadora, besuche ich die Dorfgemeinschaft und einige Mitglieder der Vereinigung. Während der zweistündigen Autofahrt sehen wir fast ausschließlich Zuckerrohrfelder, dazwischen einige Fabriken zur Verarbeitung von Zuckerrohr. Früher gab es hier atlantischen Regenwald, der beinahe zur Gänze gerodet wurde, um Zuckerrohr-Monokulturen zu schaffen. Ein weiteres Problem ist, so Guilherme, dass das gesamte Land in dieser Region fast ausschließlich im Besitz von einer Familie ist, während viele Menschen sehr wenig oder kein Land besitzen. Die Dorfgemeinschaft, die wir besuchen, besteht aus vielen Familien, die Landwirtschaft betreiben, insgesamt leben ca. 400 in der Region. Das Land ist seit Generationen in Besitz von dort ansässigen Familien. Der Druck jedoch ist sehr groß. Der Anbau von Zuckerrohr ist gewinnträchtig und wird künftig noch rentabler werden, da Agro-Treibstoffe unter anderem auch aus Zuckerrohr hergestellt werden. "Wir versuchen hier mit den Leuten gemeinsam eine Alternative zum Zuckerrohranbau zu gestalten", meint Guilherme. 42 Familien haben sich zur Associação de Produtores Agroecológicos zusammengeschlossen und leben von landwirtschaftlichen Produkten, die in solidarökonomischer Arbeit angebaut und vertrieben werden. Bewirtschaftet werden in etwa 2,5 ha Land. Das ist sehr wenig im Vergleich zu den riesigen Zuckerrohrfeldern der Umgebung. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Vereinigungen in der Region gegründet werden. Ziel ist es, ein Netzwerk zu schaffen. Durch die gemeinschaftliche Organisation und Zusammenarbeit sollen die Kleinbauern und -bäuerinnen gestärkt werden. Modellgärten und Informatikkurse - die Arbeit der Incubadora Die Incubadora wird auch in den nächsten 2 Jahren die Associação und die beiden neuen Gruppen begleiten. Dabei unterstützt sie drei Bereiche: das Leben in der Gemeinschaft, den ökologischen Landbau und die Schaffung von Arbeit und Einkommen. Zur Verbesserung der Methoden im ökologischen Anbau legen die KleinbäuerInnen gemeinsam mit StudentInnen aus den Studienrichtungen der Landwirtschaft und Agrarökonomie Modellgärten an. Diese sind ca. 35 m² groß. Es wird viel diskutiert, gepflanzt, angebaut und ausprobiert. Die MitarbeiterInnen der Incubadora lassen ihr Wissen über neue Anbaumethoden einfließen, die DorfbewohnerInnen ihr Wissen über Wachstum und Eigenschaften bestimmter Pflanzen. Hat sich ein Modell bewährt, arbeiten die KleinbäuerInnen "im Großen" dann selbständig. Auch den Verkauf der Produkte wickelt die Vereinigung mittlerweile vollkommen eigenständig ab. Einige Male pro Woche verkaufen DorfbewohnerInnen Obst, Gemüse und Kuchen an verschiedenen Märkten in Recife. Die Einnahmen sind sehr gut, bestätigt Luiz, der Vorsitzende der Associação. Die Incubadora hat erst kürzlich mit Umfragen auf den Märkten festgestellt, dass noch weit mehr Bedarf an ökologisch angebauten Produkten bestünde. Arbeit gibt es also genug und der Gewinn wird nach einem Verteilungsschlüssel gerecht unter allen Beteiligten aufgeteilt. ![]() Verkauf am Campus der UFPE (Photo: Michaela Hauer) Zur Förderung der regionalen Entwicklung im Dorf gibt es auch ein Bildungsprojekt, das zum Ziel hat, eine Computerausbildung für die Dorfgemeinschaft zu schaffen. Ein Informatik-Professor aus der benachbarten Stadt Lagoa de Itaenga wird Kurse für junge BewohnerInnen der Dorfgemeinschaft abhalten. Diese werden im Telecentro Comunitário stattfinden, wo sich ca. 10 Computer mit Internetzugang befinden. Sie stehen der Dorfgemeinschaft gratis zur Verfügung und können gemeinschaftlich genutzt werden. 20 Einheiten wird es in den nächsten 4 Monate geben. Die TeilnehmerInnen sollen dann wiederum als AusbildnerInnen ihr erlerntes Wissen an andere DorfbewohnerInnen weitergeben. ![]() ... (Photo: Michaela Hauer) Ökologischer Landbau und Solidarökonomie – eine Alternative? Es gibt hier noch viel zu tun, sind sich Luis, Vorsitzender der Associação, und Guilherme einig. Der ökologische Landbau müsse gestärkt, ein Netzwerk geschaffen werden. Neben Kursen und Vorträgen zu ökologischem Landbau und Umweltschutz sei es ebenso wichtig, die Werte und Prinzipien der Solidarökonomie immer wieder zu vermitteln. Ein langer Weg und eine schwierige Aufgabe wie sie meinen, denn gemeinschaftlich zu arbeiten und zu leben ist für viele BewohnerInnen der Dorfgemeinschaft ein langer Lernprozess und eine große Herausforderung – jedoch eine, die sich lohne, wenn es darum geht, alternativ zum Zuckerrohranbau Arbeit, Einkommen und Wohlstand zu schaffen! Die Autorin ist ehrenamtliche
Mitarbeiterin des Freire-Zentrums für das Forschungsprojekt in
Brasilien.
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