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Am 11. und 12. Mai 2009 trafen sich ca. 200 WissenschafterInnen und PraktikerInnen aus aller Welt in Wien, um im Rahmen des Projekts "Social Polis: The Social Platform on Cities and Social Cohesion" Wissen und Erfahrungen in Bezug auf sozialen Zusammenhalt in Städten zu diskutieren.
Städte als soziale Systeme sind durch die ungerechte Verteilung von Chancen hinsichtlich Bildung, Arbeit und politischer Mitgestaltung von Ressourcen sowie ökologischen Belastungen charakterisiert; sie sind Räume politischer Auseinandersetzungen. Soziale Exklusion, ökonomische Polarisierung und verschiedene Formen von Diskriminierung prägen Städte und das Leben ihrer BewohnerInnen – und zwar weltweit, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und verschiedener Weise, mancherorts still und im Verborgenen, mancherorts in roher Offensichtlichkeit. Nach Möglichkeiten und Wegen aber auch Hindernissen für sozialen Zusammenhalt in Städten zu fragen, erscheint in diesem Kontext als ein Muss für verantwortungsvolle Stadtforschung und -politik. Soziale Kohäsion als komplexes Konzept In diesem Sinne haben sich Stakeholder aus Wissenschaft und Praxis in Wien eingefunden, um die Plattform Social Polis als Gelegenheit zu Austausch und Vernetzung zu nutzen und sich mit sozialer Kohäsion in Städten auseinander zu setzen. "Social Polis: The Social Platform on Cities and Social Cohesion" ist ein transdisziplinäres Projekt, das durch das 7. Rahmenprogramm der EU Kommission finanziert wird.
Außerdem können lokale Zusammenhänge in konkreten Städten nicht unabhängig von globalen Prozessen betrachtet werden. So stellte Frank Moulaert – Koordinator von Social Polis und Professor an der Katholischen Universität Leuven – fest, wir seien mit der neoliberalen Umgestaltung Europas dem Ziel des sozialen Zusammenhaltes in den Städten nicht gerade näher gekommen.
Schließlich sind in Zusammenhang mit sozialer Kohäsion mehrere Dimensionen zu beachten: kulturelle Aspekte sind vor allem in zunehmend multikulturellen Gesellschaften ebenso von Bedeutung wie sozio-ökonomische Dynamiken und die politische Frage nach Rechten und Partizipationsmöglichkeiten. Zwölf "Existential Fields", die im Rahmen des Projekts bearbeitet und auf der Konferenz in Workshops diskutiert wurden, illustrieren diese Vielfalt: die Themen reichten von Wohnen und Gesundheit über urbane Ökologie bis zu Bildung und Kreativität. Ein Dialog zwischen Praxis und Theorie Nicht zuletzt um dieser Komplexität urbaner Problematiken gerecht zu werden und unzulässige Verkürzungen zu vermeiden, ist Social Polis als Projekt zur Entwicklung einer Forschungsagenda für die Europäische Kommission transdisziplinär konzipiert. Nicht nur ForscherInnen mit diversen disziplinären Hintergründen arbeiten zusammen an der Entwicklung von Themen, die die Zukunft der europäischen Forschung zu urbanem, sozialem Zusammenhalt darstellen sollen. Vor allem partizipieren auch PraktikerInnen und AktivistInnen. Als soziale Plattform soll Social Polis zum einen Raum für Interaktion und Austausch von Wissen und Information sowie das Erkennen und Nutzen von Synergien schaffen. Zum anderen soll der Dialog zwischen PraktikerInnen und WissenschafterInnen auch verhindern, dass Forschungsergebnisse und Theorien im Elfenbeinturm verstauben. Denn Social Polis basiert auf der Überzeugung, dass wertvolle Theorie praktisch relevant sein muss. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Erfahrungswissen jener Menschen, die sich täglich mit den Problemen von StadtbewohnerInnen auseinandersetzen, wird als eine grundlegende Voraussetzung dafür betrachtet. Voneinander lernen
Nicht nur WissenschafterInnen sollen im Rahmen von Social Polis von der PartnerInnenschaft mit PraktikerInnen profitieren, indem sie die gesellschaftliche und politische Bedeutsamkeit ihrer Arbeit überprüfen und sicherstellen.
Diese müsse im Zuge einer verstärkten Auseinandersetzung mit den Wissenschaften bereit sein, ihren Blick auch auf Ursachen und Triebkräfte urbaner Entwicklungen zu richten, denen nicht immer unmittelbar mit Management von oben beizukommen ist.
Die Autorin ist Mitglied des online-Redaktionsteams des Freire Zentrums.
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