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Welchen Beitrag können Bildung, Kreativität und Innovation für den sozialen Zusammenhalt in Städten leisten? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine international besetzte Arbeitsgruppe der Social Polis Konferenz.
"Education and Training" und "Creativity and Innovation" – diese zwei von insgesamt zwölf Forschungsthemen der Plattform "Social Polis" waren für einen Nachmittag Gegenstand einer Diskussion zwischen WissenschafterInnen und PraktikerInnen. Die Möglichkeit an Bildungs- und Lernprozessen teilzunehmen wurde als wesentliche Voraussetzung für die Förderung sozialen Zusammenhalts in Städten angenommen. Die DiskutantInnen suchten nach neuen Wegen, Bildung für soziale Innovationen fruchtbar zu machen, um ökonomischer Benachteiligung und Diskriminierung in städtischen Kontexten entgegenzuwirken. Isabel André aus Lissabon und Juan-Luis Klein aus Montreal, ExpertInnen für regionale und lokale städtische Entwicklung, führten anhand kurzer Vorträge in das Thema ein. Die Ambivalenz des Bildungswesens Institutionalisierte Lernbereiche wie etwa Schulen und Universitäten spielen seit jeher eine wesentliche Rolle hinsichtlich gesellschaftlicher Inklusions- aber auch Exklusionsprozesse, so Isabel André zum Thema "Education and Training".
Gerald Faschingeder, Direktor des Paulo Freire Zentrums, erweiterte Isabel Andrés Analyse, indem er auf die Auswirkungen der Globalisierung im "Kleinen" und ihre Folgen für die Bildungslandschaft in Österreich aufmerksam machte. Durch die Wahlfreiheit der Eltern bezüglich der Volkschule ihres Kindes werde die Durchmischung verschiedener Gesellschaftsschichten erschwert. Der Lebensraum von Kindern sei in Zeiten globalisierter Schullandschaften oft weit entfernt von der besuchten Bildungsinstitution. Er kritisierte auch die negativen Auswirkungen eines differenzierten Schulsystems hinsichtlich des sozialen Zusammenhalts innerhalb eines Bezirkes. GymnasiastInnen und HauptschülerInnen wissen nicht viel von einander, auch wenn sie in derselben Straße zur Schule gehen, so Faschingeder. Die Kinder würden in völlig separierten Lebens- und Schulwelten aufwachsen.
Isabel André, Juan-Luis Klein, Gerald Faschingeder. Lernen – in, für und von der Stadt In Anbetracht dieser ambivalenten Rolle von Bildungsinstitutionen forderte Isabel André eine Konzentration auf nicht-formale Lernprozesse, die in einer wissensorientierten Gesellschaft dem dominierenden formalen Lernen entgegengestellt werden können. Wie kann nicht-formales Wissen einer benachteiligten Bevölkerungsgruppe legalisiert und in Hinblick auf sozialen Zusammenhalt mobilisiert werden? Möglicher Ansatzpunkt in diese Richtung sei die Öffnung institutioneller Lerneinrichtungen für die Öffentlichkeit. Schulen und Universitäten müssten sich um eine aktive Partnerschaft mit ihrer Umgebung und deren BewohnerInnen bemühen, so André. Es gelte zu erforschen, welche Rolle Bildungsinstitutionen für das Selbstbewusstsein und für die Entwicklung der jeweiligen lokalen "communities" spielen (könnten). Die Herausforderung bestehe darin, Lernen für soziale Transformation und Kreativität fruchtbar zu machen – Lernen in der Stadt, für die Stadt und von der Stadt. Kreative Nachbarschaften
Diese Umstrukturierung stärke jene Territorien, in denen Wissens- und Informationsressourcen vermehrt zu finden sind und passiere so auf Kosten anderer Bezirke. Ehemaligen Arbeiter- und Industrievierteln werde durch Prozesse der Globalisierung ihre ökonomische und soziale Grundlage entzogen. Damit einhergehend komme es zu einer sozialen Vereinsamung, die einen solidarischen Zusammenhalt zwischen den BewohnerInnen bestimmter benachteiligter Nachbarschaften verhindere. Eine Möglichkeit, dem entgegen zu wirken, bestehe laut Juan Luis Klein darin, diese Stadtviertel für die Ansiedlung künstlerischer und kreativer Strukturen und Netzwerke attraktiv zu machen, um so soziale Innovation und ökonomische Entwicklung zu initiieren. Besonderen Stellenwert erhält dabei die Aufwertung öffentlicher Plätze, die zu integrativen Schlüsselorten einer Nachbarschaft werden könnten und sozialem und kulturellem Austausch einen Raum geben. Die Forcierung kultureller und künstlerischer Aktivitäten in einem Bezirk könne, so Klein, zu einem neuen Selbstbewusstsein der BewohnerInnen führen, neue Wege für die Artikulation sozialer Probleme eröffnen und den sozialen Zusammenhalt stärken.
WorkshopteilnehmerInnen Marianna d’Ovidio, Soziologin aus Milano, forderte an dieser Stelle eine verstärkte Analyse der Auswirkungen neoliberaler Regierungsstrategien. Das Konzept einer kreativen Aufwertung von Bezirken kollidiere mit dem aktuellen politischen Klima neoliberaler Städtepolitik. Kreativität von BewohnerInnen und die sozialen Innovationen, die daraus entstehen könnten, laufen Gefahr rein marktwirtschaftlich verwertet zu werden. Es stelle sich die Frage, welche politischen und institutionellen Vorraussetzungen gegeben sein müssen, damit ein Lernprozess hinsichtlich sozialer Kreativität und Innovation wirklich den von Diskriminierung und Ausschluss Betroffenen zu Gute kommt. Weitere Informationen zu Social Polis unter www.socialpolis.eu.
Die Autorin ist Mitglied des online-Redaktionsteams des Freire Zentrums.
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